1. Juli 2016

Zur Ethik des Dialogs

Endet das Gespräch, endet der Mensch. So könnte man die Bedeutung des Aufeinanderbezogenseins im dialogischen Geschehen pointieren. Wer bin ich, wie denke ich, was ist mir wichtig, woran möchte ich mein Handeln ausrichten? – diese Fragen der Selbstaufklärung können nur in einem wahrhaften und wahrhaftigen Perspektivenwechsel beantwortet werden, denn wie leicht täuscht man sich selbst? Aus ihrer Selbsttäuschung  wollte Sokrates die Athener aufscheuchen. Er war der Ansicht, die Menschen müssen sich auf den Prüfstand stellen und sich fragen, ob die Basis des eigenen Handelns für Andere empfohlen werden kann. Im Gespräch erfahren die beiden Gesprächspartner jeweils den Widerspruch des Anderen, beide müssen diesen Widerspruch aushalten, wenn sie ihr Denken, ihr Handeln und damit ihr Leben weiterentwickeln oder verändern wollen. Die hohen Ansprüche, die Sokrates inhaltlich an ein Gespräch stellt, korrelieren mit formalen Kriterien, aus der eine Dialog-Ethik abgeleitet werden kann.
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