Dieter Frey ist ein bekannter Sozialpsychologe, der seit vielen Jahren neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer als Berater in der Wirtschaft tätig ist. Daher auch sein Interesse für das Thema „ethikorientierte Führung“, die im Zentrum des Buches steht. Die Tätigkeiten einer Führungskraft sind dem Autorenteam zufolge von Werten geprägt, wie Achtung der Menschenwürde, Ermöglichung von Mündigkeit, Schutz der Gleichheit usw. An dieser Stelle wird klar, warum Dieter Frey dieses Buch mit der Philosophin Lisa Schmalzried gemeinsam verfasst hat: Weil, so die Argumentation, die Beschäftigung mit diesen Werten zwingend die Beschäftigung mit den philosophischen Wurzeln dieser Begrifflichkeiten nach sich zieht.

 

Den Autoren dieses Buches gelingt es, in übersichtlichen Kapiteln verständlich und knapp die Grundlagen der vorgestellten philosophischen Theorien zu erklären, praktische Hinweise für eine moderne Führungskraft abzuleiten und schließlich ein verständliches Modell einer ethikorientierten Führung zu formulieren.

Vor allem hervorzuheben ist, wie angenehm und unterhaltsam sich die Einführungen in das Gedankengut der großen Philosophen lesen – von Kant über Rousseau bis Popper. Jeder dieser Denker hält Ratschläge für gute Menschenführung bereit, die auch dezidiert anhand von konkreten Anwendungsbeispielen aufgezeigt werden. Das letzte Kapitel widmet sich schließlich dem Modell der ethikorientierten Führung, bei dem alle Fäden, die zuvor aufgenommen wurden, zusammenlaufen.

Die Kernthese der Autoren zur Führung lautet:

Gute Führung, die sich moralischen Werten verpflichtet sieht, ist auch eine erfolgreiche Führung!

Ethikorientierte Führung ist erlernbar!

Es wird betont, dass ethikorientierte Führung nicht nur innerhalb von betrieblichen Leitungsebenen relevant ist, sondern ebenso in allen anderen Kontexten von sozialen und kommerziellen Organisationen, also auch im Bildungsbereich oder der Kindererziehung. Auch behauptet das Autorenduo, dass diese Art der Führung sehr wohl lern- und vermittelbar sei: Ein Ethik-Coach könnte etwa unterstützend bei Entscheidungen mitwirken, insbesondere dort, wo es an ethikbezogenem Wissen fehlt, an moralischer Urteilskraft oder schlicht an Achtsamkeit. Andere ethikorientiert führen zu können beinhaltet also vor allem immer eines: sich selbst führen lernen. Das schließt sowohl die eigene ethische Gedankenschulung ein als auch das Umsetzen in die praktische Arbeits- und Lebenswelt.

Das Buch schließt mit einer Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Platon [1]:

„Wenn nicht die Philosophen Führungskräfte werden oder die, welche jetzt Führungskräfte genannt werden, echt und ausreichend zu philosophieren beginnen, und wenn nicht dies in eines zusammenfällt, Macht und Philosophie, … dann gibt es kein Ende der Übel, weder in den Schulen, Universitäten oder Unternehmen.“

 

Autor: Das Redaktionsteam

 

[1] Das Originalzitat von Platon in der „Politeia“: „Solange in den Staaten nicht entweder die Philosophen Könige werden oder die, welche jetzt Könige und Herrscher heißen, echte und gründliche Philosophen werden, solange nicht die Macht im Staate und die Philosophie verschmolzen sind, … solange gibt es, mein lieber Glaukon, keine Erlösung vom Übel für die Staaten, ich glaube aber auch nicht für die Menschheit,…“


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