2. April 2011

Altruismus (Teil 1)

Was bedeutet das für uns: „Den Nächsten lieben wie sich selbst“?

Es gibt ein Gebot, das in den drei Religionen, die von Abraham abstammen, eine zentrale Rolle spielt: Das Gebot der Nächstenliebe. So heißt es etwa im zweiten Kapitel des Philipper Briefs: „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“ Damit ist die Aufforderung verknüpft, nicht nur an die eigenen Bedürfnisse zu denken, sondern über den Tellerrand hinaus zu blicken, das Wohl der Mitmenschen im Auge und für deren Nöte und Sorgen ein offenes Ohr zu haben. Auch finden wir bei Mohammed, dem Propheten des Islam, den Satz: „Niemand von Euch hat den Glauben erlangt, solange er nicht für seine Brüder liebt, was er für sich selbst liebt.“1 In beiden Aussprüchen erkennen wir die Goldene Regel, die jenseits von Konfessionen allgemeine Gültigkeit besitzt: Dass wir für andere wünschen, was wir für uns selbst wünschen, und von anderen fernhalten, was wir selbst nicht für uns möchten. Bemerkenswert ist auch, dass es aus theologischer Sicht eine enge Verknüpfung zwischen Gottes- und Nächstenliebe gibt: „Was Ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan.“2 Für den Gläubigen bedeutet dies, dass er dem Schöpfer nicht nur auf direktem Wege nahekommen kann, sondern auch durch andere Menschen: „Verborgen im Herz eines jeden Menschen sitzt ein göttlicher Partikel: die Herzen anderer anzuziehen, bedeutet also, die göttliche Gnade anzuziehen.“3


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26. Februar 2011

Die Goldene Regel

Eine „goldene“ Regel? Wenn etwas mit „golden“ assoziiert wird, dann doch deshalb, weil es für uns einen hohen Wert besitzt. Was also ist der Wert dieser Regel? Was bedeutet sie im Kontext ethischen Handelns? Der folgende Beitrag will kurz den Ursprüngen des Begriffs nachgehen, einen Hinweis auf dessen wahre Bedeutung geben und schließlich die konkreten Auswirkungen sowie die unschätzbare Nützlichkeit dieses Grundsatzes der praktischen Ethik erläutern:

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.


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20. Januar 2011

Über die Macht der Emotionen

Über die Macht der Emotionen von Francois Lelord und Christophe André

Was macht einen Menschen aus? Worüber definieren wir uns? Über unsere Gefühle! Aber Emotionen wie Liebe, Zorn oder Angst scheinen all unser Wissen, unsere sozialen Erfahrungen bisweilen Lügen zu strafen: Sie stürzen uns in Verzweiflung oder versetzen uns in Ekstase, begleiten oder verstärken unsere Erfolge und Niederlagen. Manchmal fühlt man sich seinen Emotionen fast schon schutzlos ausgeliefert, da sie unsere Wahrnehmung und unser Urteilsvermögen überschatten. Gleichzeitig können wir unsere Gefühle oft nicht eindeutig zuordnen, geschweige denn einschätzen, ob die Emotion, die wir in dem Moment empfinden, der Situation angemessen ist, oder nicht. Wir neigen dazu, etwas, nur weil wir es gerade so empfinden, als gegeben hinzunehmen – ohne uns zu hinterfragen oder vertieft zu analysieren.


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21. Dezember 2010

Ganz Mensch werden: Gedanken zu Advent und Weihnachten

Ganz Mensch werden: Gedanken zu Advent und Weihnachten von Margot Käßmann

In diesem kleinen Büchlein schreibt Ex-Bischöfin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, über das Geheimnis der Advents- und Weihnachtszeit. Die Autorin geht auf Emotionen und Gedanken ein, die viele Menschen in dieser Jahreszeit erleben, wie Perfektionsdruck, Erwartungen, Erinnerungen an glückliche oder auch weniger glückliche vergangene Weihnachten. Es ist auch eine Zeit, die viele von uns nutzen,  um Bilanz über den bisherigen Verlauf ihres Lebens zu ziehen und so kommt so manch einer leicht ins Grübeln…


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10. November 2010

365 Tage mit Dale Carnegie

Dale Carnegie ist den meisten Menschen wohl aus seinen zwei Büchern ‚Sorge dich nicht, lebe!’ und ‚Wie man Freunde gewinnt’ bekannt. Beide Werke sind seit Jahrzehnten Bestseller und haben an Aktualität nichts eingebüßt. Carnegies Stärke besteht darin, dass er sich wunderbar in die Ängste, Sorgen und Nöte der Menschen einfühlen kann (er hat dazu selbst Untersuchungen durchgeführt). Diesen fundamentalen emotionalen Erfahrungen, mit denen jeder von uns zu kämpfen hat, stellt er Mittel und Möglichkeiten gegenüber, um mit negativen Gefühlen besser zurechtzukommen und sich selbst den Weg zu einem glücklicheren und sorgenfreieren Leben zu ebnen.


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4. Oktober 2010

Die vier Prinzipien ethischen Handelns in der Medizin

Wenn wir uns krank fühlen, gehen wir zum Arzt – in dem Glauben, dass er uns helfen wird. Wir nehmen ganz selbstverständlich an, dass er in der Diagnose der Symptome sorgfältig vorgeht, dass er die richtige Therapie bestimmt und die wirksamsten Medikamente aussucht. Eine ethische Grundorientierung ist für uns Teil des Arztberufs – geht er doch auf den hippokratischen Eid zurück, der seit der Antike Gültigkeit besitzt. Doch im medizinischen Alltag steht der Arzt heute vor großen Herausforderungen. Im Gesundheitswesen herrscht Finanzknappheit, täglich überströmen neue Geräte und Medikamente den Markt, der administrative Aufwand stellt die eigentliche heilerische Tätigkeit in den Hintergrund. Ganz zu schweigen von den heiklen medizinischen Fragen der Bioethik: Transplantationsmedizin, Genforschung, Sterbehilfe usw. Der folgende Beitrag soll einen kurzen Überblick über die ethischen Herausforderungen geben, die ein Arzt heute in seinem Beruf meistern muss.


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