Praxis

Uns liegt vor allem die praktisch angewandte Ethik am Herzen. Daher geben wir in dieser Kategorie Anregungen, die sich im weitesten Sinne mit der Umsetzung von ethischen Aspekten im alltäglichen Leben befassen.

8. Februar 2017

Was ist ein ethisches Dilemma?

In jüngster Zeit macht ein Begriff im täglichen Sprachgebrauch Furore: Ethisches Dilemma. Gerade im beruflichen Umfeld kommen viele Menschen immer häufiger in Konfliktsituationen, die ausweglos scheinen. Sie bekommen Vorgaben von Vorgesetzten, Kunden oder Lieferanten, geraten dadurch unter Druck und sehen sich gezwungen, den Druck an andere weiterzugeben. Sie spüren dabei mehr oder weniger deutlich, dass etwas nicht stimmt – ihr Gewissen rebelliert und ihre Vernunft sagt ihnen, dass das geforderte Verhalten nicht mit ihrem inneren Wertekompass übereinstimmt. In vielen Fällen lassen sich solche Konflikte mit ein wenig Fingerspitzengefühl auflösen. Aber es gibt auch Fälle, da erscheint jeder Lösungsweg ‚schlecht‘ – schlecht deshalb, weil er stets mit Schaden für mindestens eine der beteiligten Personen verbunden ist, oftmals auch für den Betreffenden selbst. Da jeder von uns unweigerlich in solche ‚ethischen Fallen‘ tappt, ist der erste Schritt zur Lösung die Reflexion: Erkennen, was die Situation wirklich ausmacht, welche Handlungsoptionen man hat, wer beteiligt ist, wie das Machtgefüge in der Gruppe aussieht, welchen Anteil man selbst an der Situation hat und schließlich, was die eigene Pflicht oder Verantwortung ist. Erst dann lässt sich eine vernünftige Entscheidung fällen.

Aus diesem Grund haben wir beschlossen, uns dieses Themas in nächster Zeit verstärkt anzunehmen. Wir beginnen damit, dass wir klären, wie sich aus wissenschaftlicher Sicht ein ‚ethisches Dilemma‘ definiert. Der Philosoph und Harvardprofessor Michael Sandel führt seine Studierenden Schritt für Schritt durch diese Problematik, indem er sie zu Beginn der Vorlesung auffordert, sich selbst die Frage zu stellen:

„Wenn Sie die Wahl treffen müssten, entweder (a) eine Person zu töten, um das Leben von fünf anderen Menschen zu retten, oder (b) nichts zu unternehmen, obwohl sie wüssten, dass dadurch, dass Sie nichts tun, fünf Menschen ihr Leben verlieren würden – wie würden Sie da handeln? Was wäre hier richtig?“

Mit diesem hypothetischen Szenario eröffnet Michael Sandel seinen Exkurs über moralische Urteilsbildung. Sehen Sie im folgenden Clip seine spannende Vorlesung sowie die lebendige Diskussion mit seinen Studierenden:

 

Stecken auch Sie in einem ethischen Dilemma oder haben eines erlebt? Schicken Sie uns Ihre Erfahrungen. Sie können das entweder per E-Mail tun und uns eine E-Mail an info@ethica-rationalis.org senden oder Sie schreiben Ihre Erfahrung einfach in das nachfolgende Textfeld und klicken anschließend auf „Senden“.

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Thema

Ihr ethisches Dilemma

Autor: Das Redaktionsteam

Fotonachweis: Photocase: Justitia von John Dow
3. März 2014

Von ethischen Werten zum ethischen Handeln (Teil 2): Die Methode der Autosuggestion

Vor einiger Zeit haben wir auf dieser Webseite erörtert, wie man seine Gedanken schulen kann: Von ethischen Werten zu ethischem Handeln (Teil 1): Der Prozess der Gedankenschulung. An dieser Stelle soll nun ein zentraler Aspekt der Gedankenschulung vertieft werden, das ist die Fähigkeit zur Selbstbeeinflussung oder Autosuggestion. Die Methode der Autosuggestion wurde von einem französischen Apotheker namens Émile Coué im 19. Jahrhundert entwickelt, als dieser beobachtete, dass die Medikamente, die er seinen Kunden gab, eine höhere Wirkung hatten, wenn er sie mit entsprechend positiven, ermunternden Worten überreichte (1).
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11. September 2012

Von ethischen Werten zu ethischem Handeln (Teil 1): Der Prozess der Gedankenschulung

Für die meisten von uns sind ethische Werte etwas Selbstverständliches: Jeder würde zustimmen, dass es positiv ist, für den Einzelnen wie für die Gesellschaft als Ganzes, wenn man sich rücksichtsvoll und tolerant verhält, wenn man ausgleichend und vermittelnd wirkt, wenn man echtes Interesse am Gegenüber zeigt und sich um die sorgt, die einem nahestehen oder die bedürftig sind.
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19. März 2012

Die fünf Sprachen der Liebe. Wie Kommunikation in der Ehe gelingt

Die fünf Sprachen der Liebe. Wie Kommunikation in der Ehe gelingt  von Gary D. Chapman

Haben Sie das schon mal erlebt: Sie haben sich richtig viel Mühe gegeben, um einer nahestehenden Person etwas Gutes zu tun und denken, Sie hätten wirklich Ihr Bestes gegeben, aber der andere honoriert das überhaupt nicht?
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19. Dezember 2011

Moral. Wie man richtig gut lebt

Moral. Wie man richtig gut lebt von Rainer Erlinger

Moral – ein starker Begriff. Noch vor 20 Jahren wäre ein Buch, das im Titel die Worte ‚Moral‘ oder ‚Ethik‘ trägt, ein Garant dafür gewesen, dass es wie Blei in den Regalen klebt. So erzählt Rainer Erlinger bei einer Lesung aus seinem neuen Buch, die er im März 2011 im Münchner Literaturhaus abhielt – übrigens vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. So wenig attraktiv scheint der Begriff der Moral also doch nicht zu sein!?
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15. August 2011

Die Kunst ein freundlicher Mensch zu sein

Die Kunst ein freundlicher Mensch zu sein von Stefan Einhorn

Freundlichkeit in unserer heutigen Gesellschaft ist ein zweischneidiges Schwert: Wir sehnen uns danach, freundlich behandelt zu werden. Wir tauen förmlich auf, wenn uns jemand im Verkauf oder Service alle Wünsche von den Augen abzulesen scheint. Wir genießen es, dieses kleine „Streicheln der Seele“, von dem wirinstinktiv wissen, dass es mit Respekt und Wertschätzung zu tun hat.
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