Wie die Zeit vergeht!

Uns selbst kommt es noch so vor als ob wir erst gestern zusammengesessen, diskutiert und festgestellt haben, dass Unmut alleine nicht ausreicht … Unmut über eine mangelnde oder einfach nicht vorhandene praktische Gedankenerziehung im Umgang mit ethischen Dilemmata und ethischem, gewissengeleitetem Handeln und Denken.

Sei es im schulischen, universitären oder beruflichen Umfeld, die Herangehensweise an das Thema „Ethik“ ist in erster Linie rein theoretischer Natur, wird vornehmlich „in vitro“ betrachtet, also wie etwas das man sich unbeteiligt von außen in einem Reagenzglas, rein mit seinem Intellekt anschaut, aber nicht „in vivo“ jeden Tag auf’s Neue in seinem individuellen Lebensumfeld lebt, umsetzt, praktiziert und damit in seinem Wesen sukzessive zu Tugenden heranreifen lässt, also Ethik als angewandte Moral; Tugenden die einem zu einem Menschen werden lassen, der nicht Spielball und Untertan seiner instinktiven Bedürfnisse, Antriebe und Motivationen ist. Nein, ein Mensch, dessen „gesunde“ Vernunft und dessen Verstand sein Denken und Handeln prägt, der abwägt bevor er handelt, der seine Rechte und Pflichten gegenüber sich selbst und anderen gegenüber nicht nur vorgibt zu kennen, sondern sie tagtäglich bewusst anwendet. Ein Mensch der mit seinen Prinzipien wie ein Wissenschaftler in seinem Labor der Gesellschaft experimentiert, seine Ergebnisse mit anderen Wissenschaftlern austauscht, evaluiert und gegebenenfalls sein Denken und Handeln neu justiert. Ein Student und Wissenschaftler der Erforschung der angewandten Ethik eben.

Ethica Rationalis wurde daher gegründet, um die Ethik aus dem Elfenbeinturm der theoretischen Wissenschaft zu holen und eine Plattform zu bieten für all jene, die Ethik praktisch anwenden wollen.

Dabei stellen wir uns nicht einfach hin und sagen „so sollst du es machen“, sondern wir bieten ein Forum, in dem jeder für sich im Prozess der Selbsterkenntnis eigene, individuelle Lösungsansätze entwickeln kann. Das ist die Grundidee. Die Wissenschaft der Moral bietet tolle Orientierungsmöglichkeiten für ethische Entscheidungen, aber der entscheidende Schlüssel ist das willentliche Umsetzen der Entscheidungen im Alltag – mit allen Konsequenzen und Wirkungen, sei es in unserem Inneren, indem wir an unseren Gedanken arbeiten oder im Äußeren, also in unserem Lebensumfeld – und die damit einhergehende graduelle Erkenntnis und willentliche Kontrolle der in uns wirkenden Kräfte. Konkrete Beispiele finden von dem was hier meinen, findet sich unter anderem in folgendem Artikel „Ethisches Handeln im Alltag – wie geht das?“

Wer sind „wir“?

Ethica Rationalis wurde von uns nicht gegründet, um dem Ansehen oder Bedeutung der Mitglieder in der Gesellschaft zu mehr Gewicht oder Ansehen zu verhelfen. Wer wir im Einzelnen sind, ist daher von untergeordneter Bedeutung – nur so viel: „wir sind ein Kreis von langjährigen Freunden und Kollegen, die aus ihrer schulischen, universitären, beruflichen und privaten Erfahrung heraus festgestellt haben, dass eben Unmut alleine nicht ausreicht: wir wollten die Grundlage für eine Plattform legen, die für uns selbst, unsere Mitglieder und unsere Förderer und Interessenten einen Gedankenaustausch ermöglicht. Es befinden sich unter unseren Vorständen und aktiven Mitgliedern Mediziner, Juristen, Betriebswirte, Unternehmer, Führungskräfte aus der Industrie, etc.

Inhaltlich …

… haben wir ganz langsam begonnen und in den ersten Jahren Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstaltet. Wir haben aber bald festgestellt, dass das reine, recht passive Konsumieren von Vorträgen oder das Zuhören an Diskussionen einiger Weniger eigentlich gar nicht unserem Gedanken des Praktizierens, „Selber-Machens“ und persönlichen Austauschs mit anderen „Wissenschaftlern“ entspricht. Wir haben demzufolge inzwischen mehr auf kleinere, persönlichere Formate umgeschwenkt. So veranstalten wir nun regelmäßig z.B. den PhiloBrunch, Kaminabende und „Ganz im Vertrauen“ – alles Formate wo sich eine überschaubare Anzahl an Teilnehmern zum Gedankenaustausch trifft, es z.B. kurze Impulsvorträge von Referenten, die ethisches Handeln und Denken vorleben und authentisch vermitteln können, gibt, einen praxisorientierten Teil während dessen konkrete ethische Dilemmata und dessen mögliche Lösungsmöglichkeiten mit dem Referenten und den Teilnehmern diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht werden und vor allem jeder zu Wort kommen kann und soll. D.h. wir sind vom Konsumieren zum aktiven Mitmachen, Austauschen und Teilnehmen übergegangen. Der große Erfolg dieser Formate gibt uns Recht. Die grundsätzlich kostenfreien Veranstaltungen sind in der Teilnehmeranzahl begrenzt und regelmäßig nach kürzester Zeit nach ihrer Ankündigung bereits ausgebucht.

Kooperationspartner

Über die Zeit haben sich mit der Umstellung unserer inhaltlichen Formate auch unsere Kooperations-Partner geändert. Auch hier kann man einen größeren Bezug unserer Partner zum täglichen Praktizieren ethischer Prinzipien feststellen, vor allem von Altruismus. Heute kooperieren wir daher mit Organisationen wie der Stiftung Pfennigparade (ein Münchner Rehabilitationszentrum für körperbehinderte Menschen), der YoungWings Nicolaidis Stiftung (Hilfe für jung Verwitwete und Halb- und Vollwaisen), „Leonhard – Unternehmertum für Gefangene“ (unternehmerische Qualifizierung Strafgefangener), Kyon (Beratungsunternehmen, dass praxisorientierte Lösungen und Impulse in Lebensgestaltung und Wissenschaft anbietet), oder KonTEXT (Leseprojekt für junge Strafgefangene) zusammen.

Zielgruppe

Auch die Zielgruppe, die Ethica Rationalis anspricht hat sich im Laufe der Zeit gewandelt – gar nicht so sehr, weil wir das so wollten, sondern weil sich das so ganz natürlich ergeben hat. Gerade weil Ethica Rationalis ja ursprünglich aus dem universitären Umfeld heraus entstanden ist, lag und liegt ein Teil des Fokus von Ethica Rationalis natürlich auch weiterhin auf den Studierenden und sog. Young Professionals. Wir wenden uns aber auch an all jene, denen die „Ethik der kleinen Schritte“ genauso wichtig ist wie uns. Wir sehen uns dabei nicht als Lehrer, sondern suchen selbst Anregungen und Erfahrungen, die uns allen in der Bewältigung der allgemeingültigen Fragen des Lebens behilflich sein können.

Was werden die nächsten 15 Jahre bringen?

Wie wird sich Ethica Rationalis in dieser Zeit weiter entwickeln? Niemand kann die Zukunft genau vorhersagen, aber eines kann das Team von Ethica Rationalis versichern: wir werden einer rationalen, universalen und vor allem einer praktischen Ethik treu bleiben. So werden wir in unseren Formaten und Beiträgen immer die rationale Komponente hervorheben – es ist nicht nur die Intuition oder das „Bauchgefühl“, über das ethische Dilemmata lösbar sind. Es sollte sich unsere Vernunft und unser Verstand hinzugesellen. Aber auch die universale Komponente wird immer berücksichtigt werden. Die Ethik, die Ethica Rationalis meint, ist unabhängig von Kultur, Nationalität, Geschlecht und Religion und besitzt allgemeine Gültigkeit. Es geht daher um die Quintessenz der Ethik. Last but not least geht es um die praktische Dimension der Ethik. Dies ist wohl die wichtigste Komponente – die in-vivo gelebte Ethik im Alltag, die Ethik der kleinen Schritte, im Miteinander, in der Interaktion mit anderen.

Wir freuen uns schon auf das was kommt …

… und hoffen, dass wir auch in Zukunft unseren Interessenten, Teilnehmern und Förderern eine “Gedankennahrung“ bieten können, die zumindest zum Nachdenken, aber vielleicht auch zum Nachahmen und Umsetzen und eventuell sogar zum Verinnerlichen anregt.

             „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“ Marc Aurel

Bedanken wollen wir uns zuletzt auch noch bei allen die uns in den 15 Jahren Vereinsgeschichte unterstützt, beigestanden und geholfen haben …

 

Das Team von Ethica Rationalis


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